Mitte_Blog2-Hara

Der Bauch gilt in den fernöstlichen Kulturen und speziell der traditionellen japanischen Medizin als die Quelle von Gesundheit und als Zentrum der individuellen Lebenskraft. Diese Kraft – Ki genannt – wird für alle Lebensprozesse benötigt. Sie macht alles lebendig. Dadurch ist dein Bauch Ausgangspunkt für dein Wohlbefinden, deine Individualität und deine Lebendigkeit.

Deinem Bauch solltest du immer mit genug Aufmerksamkeit bedenken, z. B. mit kleinen und großen Impulsen. Dafür schenke ich dir den ganzen Dezember lang jeden Tag eine Überraschung.

Was ist eigentlich "die Mitte"?

Wenn ich dich frage, wo in deinem Körper der „Sitz des Lebens“ bzw. dein Zentrum ist, antwortest du dann wie die meisten: „im Kopf“ oder weist du auf dein Herz bzw. Brustraum, ggf. auf den Solarplexus? Obwohl du sicher auch schon Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ getroffen hast, nehmen die meisten Menschen ihr Zentrum im oberen Rumpfbereich wahr. Im fernen Osten, speziell in Japan, ist das Lebenszentrum eines Menschen im Bauch.

 

Der japanische Begriff

„Bauch“ wörtlich übersetzt ins Japanische meint hara. Für den Bauch gibt es noch weitere Begriffe wie onaka, übersetzt „die geehrte Mitte“ oder fukubu, (anatomisch „Bauchregion“). Allen Begriffen gemeinsam ist, dass sie die Körpergegend unterhalb des Rippenbogens einschließlich des Unterleibs, also vom Solarplexus bis zum Beckenboden, beschreiben. Aus den Schriftzeichen für hara lassen sich zwei Aspekte des Bauchs ableiten:

Im alten kanji (Schriftzeichen) für hara bedeutet das rechte Radikal „Erde“, das linke „Fleisch / Muskelfleisch“. Dieses Kanji bedeute über „Bauch“ hinaus auch „Gemüt“, „Inneres“, „Empfindung“, „Mut“ und „Absicht“. Das Zeichen drückt gleichermaßen Zentriertheit als auch das Bodenverhaftete des Menschen im hara aus und wurde in der Literatur als „Erdmitte (des Menschen)“ übersetzt.

Die kalligraphische Deutung des neuen kanji von hara bezeichnet ein „Anschwellen des Körpers“ oder ein Behältnis, in dem alle lebenswichtigen Energien aufgenommen, kontrolliert und angewendet werden können. Damit wird die Funktion des hara als Quelle des Ki, der Lebensenergie, betont. Darüber hinaus bedeutet auch dieses Kanji „Gemüt / Herz“, aber auch „Mut“ und „Absicht“ sowie „dickster und breitester Teil“.

Die Bedeutung

In der japanischen Sprache wird deutlich, dass hara eine viel weitergehende Bedeutung hat. Zahlreiche Begriffe beschreiben nicht nur die Beschaffenheit des Bauches, sondern darüber hinaus den Charakter, die Seele und den Geist des Menschen, zu dem dieser Bauch gehört, also seine Gesamtverfassung. Beispielsweise ein hara no aru hito, wörtlich übersetzt „ein Mann mit Bauch“, ist ein Mensch mit einer Mitte. Oder ein Mensch, „der mit dem Bauch denkt“, ein hara de kangaeru, ist jemand, der eine Sache nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit Gefühl und Verständnis für den anderen überdenkt.

Hara ist nicht eben nur die Quelle deiner Lebensenergie, sondern auch der Sitz deiner Seele, der innerste Kern deines Selbst. Dort kannst du alle Erfahrungen, die über die Wahrnehmungen deiner fünf Sinne hinausgehen, verarbeiten und einordnen. Dein hara ist das verbindende Element zwischen Körper und Geist. Dabei meint hara weder etwas „Körperliches“ noch etwas „Seelisches“, sondern deine Verfassung bzw. deine innere Haltung, deinen individuellen Ausdruck deines Wesens.

Jedes Bedürfnis, jeder Impuls hat seinen Ursprung im hara. Dies gilt auch für jede Aktivität, vor allem für Bewegungen. Im Bauch liegt nämlich auch dein körperliches Zentrum der Schwerkraft, und zwar im Unterbauch, dem eigentlichen Meer des Ki. Hara als Zentrum des Körpers im Unterleib, der tieferen Region des Bauches, liegt eingebettet im Becken, ein Bereich tief innerhalb des Körpers, wenige Zentimeter unterhalb des Bauchnabels. Gerade die Beschaffenheit des Unterbauchs ist maßgeblich dafür, dass deine Körperhaltung aufgerichtet, das Verhältnis von Anspannung und Entspannung angemessen und die Atmung tiefgehend ist. Dies steht im Zusammenhang mit den anatomischen Gegebenheiten: das Becken ist die Basis der Wirbelsäule. Das Zusammenspiel zwischen Knochengerüst, Muskulatur und Gewebe (Faszien) ist die Basis deiner Beweglichkeit. Dort sollte der Impuls jeder Aktion / Bewegung seinen Ausgang finden, damit es dir stets gut geht.

 

Das vollendete Hara

Wenn sich dein hara ausgeglichen und kraftvoll zeigt, du alle deine Möglichkeiten im Leben in einer dir angemessenen Weise leben kannst, dann vollendet sich dein hara. Dabei handelt es sich nicht um einen Zustand oder eine naturgegebene Veranlagung, sondern vielmehr um das Ergebnis lebenslanger und andauernder Übung. Gerade das Üben führt dazu, dass du dich immer öfter als ausgeglichener Mensch fühlst. Hara gilt tatsächlich als das Ergebnis von stetem Üben und selbstverantwortlicher persönlicher Entwicklung.

Der Begriff haragei 腹芸 bedeutet wörtlich „die Kunst des hara“ bzw. „die Kunst des Bauches“ und lässt sich im Deutschen nur umschreiben mit „Kraft der eigenen Persönlichkeit/Präsenz“, „dem Erreichen eines innerlich gefassten Planes durch Fähigkeit und Standfestigkeit“. Jemand, der die Kunst haragei beherrscht (auf Jap. haragei no dekiru hito, 腹芸のできる人), ist jemand, der etwas durch die Kraft seiner Persönlichkeit erreicht. Demnach erlangst du durch das Üben nicht nur Ausgeglichenheit für dich selbst, sondern entwickelst dich persönlich auch so weiter, dass du im Verhältnis zu anderen Menschen lernst, „von Bauch zu Bauch“ ohne Worte zu kommunizieren und Dinge zu erreichen. Diese „Kunst des hara“ - haragei - ist aus japanischer Sicht ein „vollendetes hara“.

Wie kannst du deine Lebenskraft, dein Ki, im Hara konzentrieren?

Durch Übung! Viel Übung, stetes Wiederholen, gründliche Selbstbeobachtung und dein eigenes ernsthaftes Bemühen. Indem du dich mit deiner Mitte beschäftigst, dich erspürst, zulässt, was geschieht, dich selbst erfährst und dich selbst erkennst, bekommst du Kontakt zu deiner Mitte und lernst deine Mitte zu stärken. Das ist der Weg.

 

Ziel

Das Konzept von hara zielt darauf ab, dass der Mensch „ganz wird“. Der Mensch als Teil der Natur unterliegt den natürlichen Gesetzen des Werdens und Vergehens. Indem du dich auf die naturbestimmten Lebensgesetze einlässt und danach lebst, erreichst du perfekte Lebensharmonie und bestmögliche Wirkungsweise.

Dazu braucht es Übung, die Integration der hintergründigen Prinzipien in dein Training (beliebiger) Techniken. Gleich welche Aktivität ausgeführt wird, sei es Kampfkunst, Zen, Blumenstecken oder Teetrinken, nie wird in Japan eine Technik ohne hara geübt. Dies unterscheidet beispielsweise Kampfsport von Kampfkunst. Und während der Übung mit dem Körper entwickelt sich gleichzeitig deine Persönlichkeit, deine inneren Werte gelangen zur Reife. Damit auch du dich in deiner Mitte befindest, deine Lebenskraft konzentrieren kannst, eine entspannte Stärke und Aufmerksamkeit empfindest, Konzentration hältst, eine stabile Körperhaltung zeigst und Anspannung und Entspannung harmonisierst.

Um deine Mitte zu entwickeln und zu vollenden, braucht dein Bauch im ganz japansichen Sinne (mehr) Aufmerksamkeit. Fang‘ doch gleich damit an.

 

Was verstehst Du unter „Mitte“?

Jetzt bist du dran. Dazu nimmst du dir den vorbereiteten Fragenkatalog und machst dir erste Gedanken zu deiner Mitte.

Am besten schreibst du deine Gedanken auf. Wenn du erst einmal begonnen hast, dir Gedanken über deine Mitte zu machen und deine Mitte zu stärken, dann gibt es immer wieder neue Beobachtungen zu notieren, die dir dabei helfen, am Thema dran zu bleiben, Veränderungen wahrzunehmen und immer öfter in deiner Mitte zu sein. Ich unterstütze dich dabei.

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… und im Dezember das große Extra für deine Mitte

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